Die Räuber


Mit dem Jahresthema „Zwischen Freiheit und Verantwortung“ knüpft TimeOut an Friedrich
Schillers Drama „Die Räuber“ an und überträgt dessen zentrale Fragen in die Gegenwart. Der
Konflikt zwischen Freiheitsdrang und Verantwortung, zwischen Idealismus und
Machtmissbrauch, spiegelt die Spannungen unserer heutigen Gesellschaft wider. In
Theaterprojekten, Festivals und Workshops machen wir diese Themen künstlerisch erfahrbar
und laden das Publikum ein, Freiheit nicht nur als Ideal, sondern auch als Herausforderung zu
begreifen.


Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ (1781) gehört zu den eindrucksvollsten Werken der
deutschen Klassik. Im Zentrum steht der Konflikt zweier Brüder: Karl, der idealistische
Freiheitskämpfer, der gegen die Ungerechtigkeit seiner Zeit rebelliert, und Franz, der
machtgierige Intrigant, der mit Lügen und Manipulation seine eigene Position stärkt. Das Stück
verhandelt grundlegende Fragen nach Gerechtigkeit, Moral und Verantwortung: Darf man
Unrecht mit Gewalt bekämpfen? Wo liegen die Grenzen von Freiheit? Wann kippt Rebellion in
Selbstzerstörung?


Diese Fragen sind heute aktueller denn je. Wir leben in einer Zeit, in der Gesellschaften
weltweit mit zunehmender Polarisierung, Vertrauensverlust in Institutionen und der
Verführung durch Populismus konfrontiert sind. Junge Menschen suchen nach Orientierung
und nach Möglichkeiten, ihre Stimme hörbar zu machen. Mit Die Räuber öffnen wir einen
Raum für Dialog, in dem unterschiedliche Generationen und Perspektiven miteinander ins

Gespräch kommen. Dabei werden Werte wie Freiheit, Verantwortung, Zusammenhalt und
Gemeinschaft gestärkt und künstlerisch erfahrbar gemacht. Schiller bietet uns damit einen
kraftvollen Spiegel unserer Gegenwart: Das Drama zeigt, wie hoch der Preis für Freiheit sein
kann – und wie gefährlich es ist, wenn Macht über Moral gestellt wird.
Schillers Anliegen und Wirkung


Schiller schrieb „Die Räuber“ in der Epoche „Sturm und Drang“ als leidenschaftlichen
Aufschrei gegen die politischen und gesellschaftlichen Zwänge seiner Zeit. Als Regiments
Medikus am Hof des Herzogs von Württemberg war er selbst strengen Vorschriften, Zensur
und Abhängigkeit unterworfen. Mit dem Drama entwarf er ein Plädoyer für Freiheit, das
zugleich vor der Gefahr warnte, wenn der Mensch seine Verantwortung gegenüber der
Gemeinschaft verliert.


Philosophisch war Schiller stark von Rousseau und den Naturrechtsdebatten des 18.
Jahrhunderts geprägt: Die Idee, dass jeder Mensch von Natur aus frei ist, kollidierte mit den
realen Machtverhältnissen seiner Epoche. Die Räuber macht dieses Spannungsfeld sichtbar –
nicht abstrakt, sondern in Figuren, die archetypisch für Grundhaltungen menschlichen
Zusammenlebens stehen.


Die Wirkung des Stücks war von Beginn an enorm: Bei der Uraufführung 1782 in Mannheim
wurde es als Skandal und zugleich als Befreiungsschlag empfunden. Schillers leidenschaftliche
Sprache, sein Freiheitsdrang und seine Kritik an Machtmissbrauch erschütterten das Publikum
und machten ihn über Nacht berühmt. Diese Kraft ist bis heute spürbar: Die Räuber ist mehr
als ein Drama über zwei Brüder – es ist ein Prüfstein dafür, wie wir Freiheit gestalten,
Verantwortung übernehmen und unsere Werte im gesellschaftlichen Miteinander behaupten.


Friedrich Schiller – Eckdaten

  • Geboren am 10. November 1759 in Marbach am Neckar.
  • Ausbildung an der Militärakademie des Herzogs von Württemberg, Studium der
    Medizin.
  • 1781: Veröffentlichung von Die Räuber, das ihn über Nacht bekannt machte.
  • Ab 1782: Flucht nach Mannheim, Beginn der Arbeit als freier Schriftsteller.
  • Bedeutende Werke: Kabale und Liebe (1784), Don Karlos (1787), Wallenstein (1799),
    Maria Stuart (1800), Wilhelm Tell (1804).
  • Enge Zusammenarbeit und Freundschaft mit Johann Wolfgang von Goethe in Weimar
    („Weimarer Klassik“).
  • Gestorben am 9. Mai 1805 in Weimar.